"DIE RÄUBER" Theater Heilbronn 2005

  Rolle: Karl Moor

  Regie: Andreas Nathusius

 

Totgespielte bluten länger

Schiller im Land: "Die Räuber"


In Heilbronn hat´s geblutet! Literweise Theaterblut ist geflossen...Das Blut kam nicht aus heiterem Himmel. Es musste fließen - der Regisseur Nathusius, berüchtigt für seinen Hang zur extrem Künstlichen Darstellung, holt den "Räuber"-Text dort ab, wo er den Heutigen am gegenwärtigsten scheint, nämlich bei der brutalen, archaischen Gewalt, die bei Schiller aus der naturbedingten Verschiedenheit der zwei Brüder Franz und Karl Moor abgeleitet und entfesselt wird. "Ich habe euch einen Engel geschlachtet": Karl Moors Schlusssatz nach der Ermordung seiner geliebten Amalia ist programmatisch für diesen Abend(...)


Karl, der Lieblingssohn, ist ein Mensch, der sich erst durch den vermeintlichen Liebesverrat zum mordenden Monster verwandelt. Als Bier saufender Trunkenbold und Herzensräuber stolpert er auf die Bühne, mit einem Maßkrug und einer stinkenden Zigarre. Er fingert noch den letzten Tropfen aus dem Krug. Später wird er nach Blut dürsten(...)


...dem glänzend aufgelegten Marcus Staab Poncet (als Karl) gelingt es nur mit Mühe sich gegen das starre Regiekonzept zu behaupten, die Emotionen aller Figuren mit Ausnahme der überdreht-beschwipst-brutalen Räuber auf Minusgrade abzukühlen - und der Figur Wärme zu verleihen(...)

 

Marcus Sander, Stuttgarter Zeitung, 28.02.2005