" MICHAEL KOHLHAAS" Theater Ingolstadt 2008

   Rolle: Michael Kohlhaas

   Regie: Karoline Kunz

 

 

 

(...)Der Fall Michael Kohlhaas wird in dieser Inszenierung zu einem kafkaesker Alptraum der Hilflosigkeit gegenüber der undurchschaubaren Willkür des Systems. Und Ausstatterin Anja König liefert marode Tische, das schräg im Raum schwebende Sofa, einen aus der Schwerkraft gekippten Stuhl und eine Theatersessel-Reihe als Wartebank für diesen Schauplatz des Absurden.

(...) Der Fall Kohlhaas steht für viele autoritäre Strukturen.
Und diese Gerechtigkeit ist ein System, dessen Spielregeln der Kläger oder Angeklagte nicht ganz durchschaut. Da gibt es nämlich auch völlig absurde Spielaufforderungen wie »Fangen spielen«. Und da rennt dann Peter Greif als Junker Tronka hinter der Richterin her. Und
bevor Michael Kohlhaas seinen Rachefeldzug antritt, kitzelt er die am Boden liegende Richterin halb zu Tode.

(...)die Schauspieler haben mit großartiger Präzision und Dynamik diese komplizierte Verzahnung der Satzfragmente einstudiert. Und Kleist zu sprechen, ist wahrlich nicht einfach (...)


Marcus Staab Poncet als Michael Kohlhaas kämpft mit sprachlicher Intensität den hoffnungslosen Kampf gegen die Obrigkeit und muss dazu meist wie ein Schuljunge vor seiner Lehrerin stehen (...)
Eine mutig und klug konzipierte Aufführung mit großem Einsatz aller Darsteller, die sich leider aber auch in manche szenische Überdrehtheit verrannt hat. Schwere Kost, auch durch Kleists komplizierte Prosasprache, für die Konzentration der Zuschauer.


KULTURKANAL INGOLSTADT – 01.12.2008 (Isabella Kreim)