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"ZWISCHENRÄUME" 2010

  Texte, Gedanken und Gedichte

  Theater Ingolstadt  Kleines Haus

  Idee und Konzept: Marcus Staab Poncet

  Regie: Falco Blome/Marcus Staab Poncet

 





Kleines Haus: Seltsame Szenen in den "Zwischenräumen"

Ingolstadt(ksd) Er ist Hamlet. Robert Lemke. Ophelia, die der Fluss nicht behalten  hat. Sagt er: "Und manchmal auch das kleine Sahnehäubchen auf der Schokolade". Er steckt rotperückt im roten Abendkleid oder trägt nur Unterhose. Er stakt minutenlang kopfunter im Wassereimer, läuft eine gefühlte Viertelstunde flügelschlagend im Kreis herum oder führt ein einsames Schmusetänzchen mit dem Kleid auf. Er rezitiert, betet, singt. Er ist Marcus Staab Poncet bei seinem ersten Soloabend im Kleinen Haus.

Es ist eine seltsame Theaterstunde, die Staab Poncet da unter dem Titel "Zwischenräume" präsentiert. Angefangen von der nebeligen Dunkelheit, die lange auf der Bühne herrscht und die unablässig plinkernde Minispieluhr vorn über die bis zur Sinnfreiheit schrägen Spielszenen bis hin zu hingeplauderten Kindheitserinnerungen (sind die übrigens  echt?). Alles ist langsam auch wenn manchmal geschrien wird (ein paar Sätze aus der "Hamletmaschine" in endloser Wiederholung etwa) oder eben gerannt (dies zu eigenen Texten wie"...es regnet, schon seit Tagen habe ich keinen Schritt mehr vor die Tür gemacht und wenn, dann nur um drei Zigaretten und eine Flasche Wein zu kaufen.")

Alles ist auch irgendwie unzusammenhängend: Die so ätzend gesprochene Antwort des Spiegels in "Schneewittchen"(die erstmals begreifen lässt, warum Frau Königin so sauer war), das Planschen im Blecheimer ("die Nautilus kommt!"), das Herumwanken mit dem blutenden Pappschädel auf, der bebende Eichendorffsche Liedvortrag "In einem kühlen Grunde". Und alles ist irgendwie komisch. Am schönsten: Staab Poncets Versuch sich auf dem Liegestuhl im imaginären Sonnenschein entschlossen zu entspannen-das ist fein beobachtet, hervorragend ausgearbeitet. Und doch improvisiert wie der Rest des Solos. In ihm geht es schätzungsweise um moderne Einsamkeit, Verzweiflung, Ich-Suche oder Ich-Bezogenheit. Oder auch nicht. "Zwischenräume" ist ein ganz guter Titel für diese Performance, die man in eine Schublade nicht stecken kann. Und das ist doch schon mal was.

 

Donaukurier, 17.03.10